Hier finden Sie uns

www.oculis-amari.de

04668 Grimma
 

Kontakt

info@oculis-amari.de

Facebook

Oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Blog

Ein paar Einblicke und Gedanken.. nicht nur zur Fotografie..

 

 

 

18.10.2016

 

Der Weg..

 

Heimat kann überall sein, dessen bin ich sicher. Eben dort, wo man sich aufgehoben und geborgen fühlt.

Wenn jemand vor 10 Jahren mich gefragt hätte, ob ich meiner Geburtsstadt und meinem Lebensmittelpunkt Leipzig jemals den Rücken kehren würde, hätte ich mehr als energisch mit „Nein!“ geantwortet. Wie das aber so ist, geht das Leben ab und zu seine eigenen Wege. So verließ ich 2009 Leipzig und ging nach Rheinland-Pfalz. Für mich damals eine absolut durchdachte Entscheidung, sah ich doch in Leipzig nur noch wenig Zukunftsperspektiven für meinen Sohn und mich. Nach den ersten Umzugswirren zog irgendwann der Alltag bei uns ein und ich stellte erschreckend fest, wie schwer es mir fiel, Anschluss zu finden. Die ersten beiden Jahre waren für uns nicht die besten. Heimweh hat sich breit gemacht. Wir vermissten unsere Freunde und Familie und kein Telefonat der Welt hätte das ersetzen können. Einige wenige Wegbegleiter lernten wir kennen, aber schnell war zu erkennen, dass die Mentalität von einigen eine ganz andere war als die unsere. Ich jobbte mich durchs Leben und hatte es sehr schwer, eine vernünftige Anstellung zu finden. Erst 2011 – durch das beherzte Handeln eines (inzwischen sehr guten) Freundes – schaffte ich den Sprung in eine feste Anstellung. Das war der Wendepunkt. Die Arbeit machte mir richtig Spaß und ich wurde angenommen. Ja beinah aufgefangen. Von Kollegen und dem Kundenkreis gleichermaßen. Nur selten störte sich noch jemand an meinem leicht sächsischen Dialekt. Als wir dann nach der Probezeit in den Ort der Arbeitsstelle am Rhein zogen, schien alles perfekt. Eine wundervolle Wohnung, mein eigenes Auskommen und auch mein Sohn begann sich einzuleben. Wir lernten gute Freunde kennen und auch wenn es sicher nicht vergleichbar war, so wurde diese Gegend und ihre Menschen zu unserer neuen Heimat. Wir hatten uns eingelebt. 5 Jahre blieben wir dort und ich denke, wenn das Schicksal es mit uns anders gemeint hätte, wären wir auch da geblieben. Aber wir lernten auch Schattenseiten kennen. Obgleich wir viel Unterstützung sowie gute Freunde und Bekannte gefunden haben, schwächelte unser „Glück“ an anderen, äußeren Umständen. Anfangs war ich zuversichtlich. Das wird sich schon alles klären – weiter kämpfen. Aber die Fronten wurden mehr und mehr. Die Mauern, die ich versuchte einzurennen, wurden immer größer, bis ich eines Tages kapitulierte. Dabei ging es um das Wichtigste in meinem Leben: das Wohlergehen meines Kindes.

 

Es war eine absolute Affektreaktion, mich wieder in Sachsen zu bewerben. Und um ehrlich zu sein, hatte ich mir auch wenig Erfolgschancen ausgerechnet. Wusste ich noch zu genau, wie schwer es war, einen guten Job im Rheinland zu finden. Und ohne eine Arbeit, würde ich nie wieder meinen Lebensstandort ändern.  

 

Aber ich sollte überrascht werden. Die Angebote flatterten nur so ins Haus. Teilweise hätte man mich sogar eingestellt, ohne mich jemals gesehen zu haben. Das war mir noch nie passiert und überstieg meine Erwartungen bei weitem. Danach schien alles ein Selbstläufer zu sein. Schnell war eine Wohnung in Arbeitsnähe gefunden und auch eine neue Schule für meinen Sohn. Dass ein länderübergreifender Wechsel mitten im Schuljahr einige Herausforderungen barg, war mir bewusst. Aber auch mein Sohn wollte „nach Hause“. Im Gegensatz zum Umzug ins Rheinland, hatte ich nicht eine Sekunde lang Zweifel. Auch das war neu für mich.  

 

Anfang 2016 bezogen wir dann unser neues Domizil und ich stellte sehr schnell fest, dass es ganz anders war. Wie auf Wolken lebte ich die letzten Monate. Freute mich über altbekannte Gesichter und auch über neue Freundschaften. Dieses zauberhafte Gefühl, wenn man Menschen nach Jahren wieder trifft und genau dort weiter machen kann, wo man aufgehört hat. Als wäre nie ein Tag vergangen. Der Weg ebnete sich immer mehr und bald waren auch die letzten Steine aus dem Weg geräumt.

 

Heute nun sind wir wieder hier. Angekommen. Angenommen. Und so unendlich dankbar für EUCH. Gleichermaßen jeden, der uns begleitet hat und auch hier wieder in seine Arme geschlossen hat. Auch wenn wir viele Gesichter aus der „zweiten Heimat“ schmerzlich vermissen, so lebt unser Herz doch hier.

Manchmal muss man eben sehr weit gehen, um zu erkennen, wohin man gehört..

 

 

19.05.2017

 

Ein offener Brief

in memoriam an Marcel Behling

 

"Traumtänzer und Zauberer des Lächelns"

 

06.02.1999 -  13.05.2017

 

 

Mein lieber Marcel,


es ist jetzt knapp eine Woche her, dass ich von deinem Tod erfahren habe. Bitte verzeih mir, aber ich habe etwas gebraucht um mich zu sortieren. Wie so viele, hat es auch mich voll aus der Kalten erwischt. Dabei habe ich noch 2 Tage zuvor mit meinem Sohn über dich gesprochen. Ich ärgere mich sehr, dass ich dir nicht gleich geschrieben haben, wie ich es vor hatte. Nun ist es zu spät und mir bleibt nur noch diese weiße Word-Seite auf dem Bildschirm, um los zu werden, was ich dir viel öfter hätte sagen sollen. Wir haben uns nicht sehr gut gekannt. Eher flüchtig und im Grunde warst du der Freund meines Sohnes. Dieser ist derzeit allerdings nicht so in der Lage / Verfassung, seine Gedanken auf Papier zu bringen. Gerade verdrängt er ordentlich. Pubertät. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Also übernehme ich das auch mit für ihn.
Dein Weggehen war ein Schlag ins Gesicht und ein Tritt ins Herz. Du kannst nichts dafür, also mach dir keine Gedanken. Mir wird seitdem nur immer wieder bewusst, wie sehr dich diese Welt vermissen wird. Gerade Menschen wie dich, brauchen wir doch hier so dringend. Manchmal frage ich mich, ob irgendein größerer Plan hinter all dem steckt. Du kennst sicher das Sprichwort: „Wen Gott liebt, nimmt er zu sich.“. Ein schwacher Trost und etwas egoistisch von ihm, wie ich finde. Es macht mich wütend – auch wenn ich weiß, dass du das nicht wirklich verstehen würdest.
Marcel, du warst einer der besten und treuesten Freunde die mein Sohn während unserer Zeit in Engers hatte. Auf dich war immer Verlass. Sei es bei den Pfadis oder bei der Hilfe bei den Schulaufgaben von ihm. Hast als Älterer ihn heim gebracht, wenn es dunkel war, und ihm so verdammt oft geholfen. Trotz aller Schwierigkeiten, die er hatte, ein Lachen aufs Gesicht gezaubert. Mit Kissenschlachten, Verstecken oder Tanzeinlagen in unserem Wohnzimmer. Du dachtest sicher, ich wüßte nix davon – aber er hat mir immer wieder davon erzählt.
Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mich bei dir bedankt habe, aber ich habe das Gefühl, dass es nie genug war. Einen Menschen wie dich, der immer sofort da ist, wenn man selbst - oder auch andere - in der Klemme stecken, gibt es nicht sehr oft. Dabei weißt du selbst mehr als gut genug, was Leid bedeutet. Vielleicht bekommen genau die Menschen, die so ein schweres Schicksal erleiden mussten, ein so großes Herz wie deines geschenkt. Das genau hat dich ausgemacht. Deine Liebe zur Musik und zum Tanz. Zu deinem Vater und euer unglaublicher Zusammenhalt. Du warst ein verdammt guter Sohn! Es war so wundervoll, wie gern du dich in deine Musik und dein Selbst zurückgezogen hast. Ich sehe dich noch mit den Kopfhörern und diesem verträumten Blick an der Ampel stehen.
Und dann unser letztes Treffen, ohne dass wir uns dessen bewusst waren. Ein paar Tage vor unserem Wegzug. Du bist bei uns vorbei gekommen mit einem Abschiedsgeschenk für meinen Sohn. Du warst der Einzige seiner Freunde, der sich richtig verabschiedet hat. Als mein Sohn mir damals die beigelegte Karte von dir vorgelesen hat, haben wir beide geweint. Das war einfach wundervoll.
Wir haben einiges zurückgelassen, was wir heute sehr vermissen. Du bist ein großer Teil davon. Damals blieb ja immer der Gedanke, dass man ja nicht aus der Welt ist. Wir haben uns fest vorgenommen dich zu besuchen. Leider nun an diesem Ort, den wir in Engers bisher eher gemieden haben. Aber ich verspreche, wir werden da sein. Wie so viele andere – da bin ich mir sicher.

 

Ich wünsche dir ein Wiedersehen mit denen, die du auf dieser Welt so sehr vermisst hast. Dass du dort, wo du jetzt bist, kein Zeitempfinden hast, was das Warten auf die Zurückgebliebenen so schwer macht. Dass du ganz viele Regenbogenschafe um dich hast mit denen du durch die Zeit tanzen kannst.
Vielleicht blickst du hin und wieder zu uns hinab und hörst uns dabei zu, was wir dir in unseren (Tag-) Träumen so erzählen. Aber vor allem wünsche ich dir seelischen Frieden. Du bist einer der wenigen richtig guten Menschen, die ich kennen lernen durfte. Behalte dir das und du wirst sehen, dass am Ende alles gut wird!

 

Für immer deine Freundin,
Anja

Druckversion Druckversion | Sitemap
© www.oculis-amari.de

E-Mail